Forschungsprojekte zur Melanomforschung

Im Fokus: Förderung der Erforschung von Hautkrebserkrankungen, insbesondere des malignen Melanoms

Zur Förderung der Erforschung des malignen Melanoms und Entwicklung neuer Behandlungsverfahren fördert die Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs jährlich mehrere  Forschungsprojekte. Die Förderung geschieht im Sinne einer Anschubfinanzierung, um neue Projektideen auf den Weg zu bringen. Die Fördersumme liegt in der Größenordnung von 20.000 bis 50.000 Euro.

 

Für 2018 werden insbesondere folgende Forschungsthemen gefördert:

  • Tumorplastizität / -heterogenität, Stammzellen und embryonale Mechanismen
  • Tumorimmunologie
  • Resistenzmechanismen gegen aktuelle Onkologika
  • Biomarker, Liquid Biopsy und Diagnostik minimal residueller Erkrankung
  • Molekulargenetik und molekulare Diagnostik

Anträge können von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gestellt werden, die in der Hautkrebsforschung ausgewiesen sind und ein neues Projekt beginnen möchten, das gut begründet, aber noch nicht anderweitig finanziert ist. Die Infrastruktur zur Umsetzung des beantragten Projektes muss von der Institution des Antragstellers schriftlich bestätigt werden. Interessenten finden Informationen zu den Bewerbungsmodalitäten hier

Für 2017 erfolgte die Förderung folgender drei Forschungsvorhaben

1. Therapie-orientierte genetische Analyse mukosaler Melanome

Fördersumme: 41.000 Euro

In Vorarbeiten des Projektes „Therapie-orientierte genetische Analyse mukosaler Melanome“ konnte gezeigt werden, dass sich das Schleimhautmelanom auf molekularer Ebene vom kutanen Melanom unterscheidet. Hierzu wurden Patientenproben von Schleimhautmelanomen mit Hilfe von Mutationsanalysen untersucht. Mittels „Whole-Exome Next Generation Sequencing“ sollen im Rahmen dieses Projektes die bislang erworbenen Informationen anhand detaillierter Analysen von Tumoren ohne eindeutig „aktivierende“ Mutationen erweitert werden. Ziel des geförderten Projektes ist, Genmutationen aufzuspüren, die für die Entwicklung und ggf. Metastasierung des Schleimhautmelanoms verantwortlich sind, um mögliche neue Therapieziele identifizieren zu können.

Dr. Iona Cosgarea                                                                                    Dr. Klaus Griewank

                                                                                         Universitätsklinikum Essen


2. Neue Strategien zur Behandlung von Patienten mit schwarzem Hautkrebs und Hirnmetastasen

Fördersumme: 45.000 Euro

Bei Patienten mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs sind Hirnmetastasen die häufigste Todesursache. Hirnmetastasen sprechen häufig nicht so gut auf Tumormedikamente an wie Metastasen außerhalb des Gehirns. In dem Forschungsprojekt soll untersucht werden, warum die Wirksamkeit von Tumormedikamenten im Gehirn eingeschränkt ist. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt können zur Entwicklung von neuen Strategien zur Behandlung von Patienten mit schwarzem Hautkrebs und Hirnmetastasen beitragen.

Dr. Dana Westphal                                                                                    Dr. Heike Niessner

                               Universitätsklinikum Dresden                                                      Universitätsklinikum Tübingen


3. UV-Strahlung als Promoter von hellem Hautkrebs: direkte und indirekte Effekte auf Invasion und Metastasierung

Fördersumme: 49.000 Euro

Das Plattenepithelkarzinom der Haut stellt den zweithäufigsten Hautkrebs in den westlichen Industrienationen dar. Trotz - oder besser wegen - dieser Häufigkeit fehlen exakte epidemiologische Zahlen, da es nicht vollständig in Tumorregistern dokumentiert wird. In einer Studie aus dem Jahr 2012 wird allein für die USA in der weißen Bevölkerung eine Inzidenz von 186.000 bis 420.000 Neuerkrankungen pro Jahr geschätzt, von denen 5600 bis 12.500 Lymphknotenmetastasen entwickeln und für 4.000 bis 8.000 Todesfälle verantwortlich sind. In Deutschland lag die Neuerkrankungsrate im Jahr 2013 bei ca. 87.000 Fällen. Da das Plattenepithelkarzinom ein Krebs des höheren Lebensalters ist, muss man aufgrund des demografischen Wandels mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungen rechnen.

Es gilt als gesichert, dass die kumulative UV-Exposition der Haut („UV-Lebenszeitkonto“) der wesentliche Risikofaktor für die Entstehung von dieser Form des Hautkrebses ist. Ihm gehen in der Regel aktinische Keratosen (AK) als Vorläuferläsionen voran. Hierbei handelt es sich um Krebsvorstufen, die bei gut der Hälfte der über 60-Jährigen vorhanden sind, die aber bei nur einem kleinen Teil der Betroffenen in ein Plattenepithelkarzinom übergehen. Leider ist noch nicht geklärt, welche Prozesse den Übergang von AK zu Plattenepithelkarzinom fördern. Im Gegensatz zu ihrer Rolle bei der Entstehung von Plattenepithelkarzinomen ist der Einfluss der UV-Strahlung auf das Voranschreiten der Erkrankung weit weniger gut erforscht. Die Aufklärung dieser Zusammenhänge ist wichtig, da AKs oft unerkannt oder so großflächig vorliegen (‚Feldkanzerisierung’), dass sie nicht behandelt werden (können). Sofern eine zusätzliche UV-Exposition die Weiterentwicklung von Krebsvorstufen zum invasiven und metastasierenden Plattenepithelkarzinom führt, wäre ein konsequenter UV-Schutz eine sinnvolle Maßnahme, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Das Projekt untersucht die UV-induzierte Veränderung der Entzündungsreaktion (Inflammation), da die Entzündungsreaktion sowohl die UV-induzierte Immunsuppression verstärkt als auch zu einer genetischen Instabilität der Tumorzellen führen kann. Zielsetzung des beantragten Projektes ist es, zu erkennen, welchen Effekt eine weitere UV-Bestrahlung auf die Tumorzellen selbst, aber auch auf eine wesentliche Gruppe der Entzündungszellen (die Makrophagen) hat. Hier wird das Augenmerk insbesondere auf epigenetischen Veränderungen liegen, sowie auf der Frage, ob eine wechselseitige Interaktion von Tumorzellen und Makrophagen existiert.

Prof. Dr. Jürgen Becker                                                                                    Dr. Rüdiger Greinert

      Institut für Translationale Hautkrebsforschung Essen                                       Hautkrebszentrum Buxtehude


Für 2016 erfolgte die Förderung folgender vier Forschungsvorhaben:

1. Tumorgenetische Untersuchung und funktionelle Charakterisierung von Hirnmetastasen des malignen Melanoms zur Identifizierung klinisch-relevanter Zielstrukturen

Fördersumme: 35.000 Euro

Das maligne Melanom (MM) ist für ca. 80 Prozent der durch Hautkrebs verursachten Todesfälle verantwortlich und gehört somit zu den bösartigsten Tumoren. Obwohl die Melanomforschung in den letzten Jahren bahnbrechende Behandlungserfolge im Bereich der sogenannten „zielgerichteten, personalisierten Therapie“, wie z. B. beim Einsatz von BRAF Inhibitoren oder bei der Blockierung sogenannter „mmune-heckpoints“ verzeichnen konnte, stellt die Besiedelung des Zentralen Nervensystems durch Melanomzellen und die folgende Ausbildung von Makrometastasen weiterhin ein großes Problem dar, welches sowohl die Lebensqualität als auch das Gesamtüberleben der Patienten entscheidend beeinflusst. Circa 20 % der Melanompatienten zeigen bereits bei Erstvorstellung etablierte Hirnmetastasen (HM), über 50 % der Stadium-IV-Patienten entwickeln diese im Krankheitsverlauf und bei über 75 % der an MM verstorbenen Patienten können HM nachgewiesen werden. Melanompatienten mit zerebralen Metastasen zeigen eine signifikant verringerte Überlebensrate von nur 17-22 Wochen, sodass die Entwicklung von HM daher die häufigste Todesursache darstellt. Bisher ist nur wenig darüber bekannt, welche molekularen Signalwege oder Mutationen in Melanomzellen das Durchdringen der Blut-Hirn-Schranke und die Infiltration des Gehirns durch Tumorzellen steuern. Es ist daher von entscheidender Wichtigkeit, die Besiedelung des Gehirns durch Melanomzellen anhand präklinischer Modelle zu untersuchen, zerebrale Metastasen vergleichend zu nicht-zerebralen Metastasen des gleichen Melanompatienten tumorgenetisch zu analysieren und die daraus resultierende klinische Relevanz im MM zu definieren.

                                         Dr. Iris Helfrich

                              Universitätsklinikum Essen


2. Evaluation von intrinsischen und metabolischen Resistenzmarkern im malignen Melanom hinsichtlich ihrer prädiktiven Aussagekraft für das Therapieansprechen

Fördersumme: 20.000 Euro

Trotz jüngster Erfolge in der zielgerichteten Therapie des malignen Melanoms ist eine Heilung von Patienten im Stadium der Organmetastasierung noch in weiter Ferne. Ein Grund hierfür ist die notorische Plastizität, Tumorheterogenität und Therapieresistenz dieser Krebsart. Es wird zunehmend klar, dass einzelne Melanomzellen Strategien entwickeln können, Chemotherapien, aber auch zielgerichtete Medikamente zu umgehen. Manche Melanomzellen besitzen eine intrinsische Therapieresistenz, die sie bereits gegen den Erstkontakt mit Medikamenten schützt. Neben bestimmten genetischen Prädispositionen, wie z. B. aktivierenden Mutationen in MEK, kann diese Resistenzform aber auch rein phänotypischer Natur sein. Dies bedeutet: Therapieresistenz im Melanom kann unabhängig vom Melanomgenotyp auftreten und beispielsweise, wie wir kürzlich zeigten, auf einer gesteigerten Nutzung der mitochondrialen ATP-Synthese (oxidative Phosphorylierung, OXPHOS) basieren. Es scheint, dass dieser OXPHOS-dominierte Phänotyp mit einer Absenkung der Zellzyklustaktung (sogenannte langsam proliferierende Zellen: „slow-cycling cells“) verlinkt ist. Im Rahmen der beantragten Anschubfinanzierung planen wir die Evaluation dieser neu identifizierten intrinsischen und metabolischen Resistenzmarker im malignen Melanom hinsichtlich ihrer prädiktiven Aussagekraft für das Therapieansprechen. Die Durchführung der Experimente gründet auf der Analyse primärer Melanomzelllinien und Tumorgewebe von Patienten aus der ADO-Studie ChemosensMM (ebenfalls gefördert durch die Hiege-Stiftung), für welche umfangreiche klinische Daten inklusive Therapieansprechen und Follow-up vorliegen. Dieses Vorhaben soll Grundstein sein für zukünftige translationale (Groß-)Projekte zur Etablierung neuer Applikationsschemata zielgerichteter Strategien (z.B. „on-off“-Intervalltherapie) zur Verzögerung der Therapieresistenz bzw. neuer Kombinationstherapien, die auch Zellsubpopulationen mit hohem Potenzial zur Tumorrepopulation einschließen.    

                               Prof. Dr. Alexander Roesch

                              Universitätsklinikum Essen


3. Zielgerichtete Kombinationstherapie von Inhibitor-resistenten Melanomzellen

Fördersumme: 25.000 Euro

Das maligne Melanom ist wegen seines aggressiven Metastasierungsverhaltens die tödlichste Form des Hautkrebses. Die Hoffnung bei der Behandlung fortgeschrittener Melanome liegt in der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten. Der mitogen-activated protein (MAP)-Kinase-Signalweg spielt aufgrund häufig vorkommender Treiber-Mutationen im BRAF- oder NRAS-Gen eine zentrale Rolle im Melanom und fördert durch unkontrollierte Aktivität das Wachstum und die Proliferation der Tumorzellen. Einige zielgerichtete Inhibitoren, die den MAPK-Weg blockieren, sind bereits in der Klinik zugelassen oder befinden sich in klinischen Studien. Dabei stellte sich heraus, dass die Kombination aus BRAF- und MEK-Inhibitoren eine wesentlich höhere Ansprech- und Überlebensrate bei den Patienten zeigte als die BRAF-Inhibitor-Monotherapie. Allerdings entsteht hier wie auch bei der Monotherapie eine hohe Rezidivrate, hervorgerufen durch erworbene Resistenz. Ziel dieses Projektes ist es, BRAF- und BRAF-/MEK-Inhibitor-resistente Melanomzellen mit BRAF- und MEK-Inhibitoren sowie einem ausgewählten dritten Inhibitor von spezifischen intrazellulären- oder Tyrosin-Kinasen zu behandeln und deren Auswirkung auf die resistenten Melanomzellen zu analysieren. Die molekularen Grundlagen von in diesen Versuchen aussichtsreichen Inhibitor-Kombinationen sollen dann weiter untersucht werden. Ihre Wirkung soll an Tumoren aus Patienten ex vivo oder im Mausmodell weiterführend getestet werden.

                                  Dipl.-Biochem. Saskia Graf

                              Universitätsklinikum München


4. Nachweis und Charakterisierung von erworbenen Resistenzmechanismen gegen BRAF-Kinaseinhibitoren anhand von zirkulierenden Melanomzellen

Fördersumme: 45.000 Euro

Trotz großer Erfolge in der Entwicklung der Pharmakotherapie des malignen Melanoms in den letzten Jahren liegt die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate bei Patienten mit Fernmetastasen weiterhin bei unter 20 %. Vor allem interindividuelle Unterschiede in der Expression von Zielstrukturen sowie das Auftreten von Resistenzen gegenüber zielgerichteten Therapien beeinträchtigen den Therapieerfolg. Die Entwicklung von zuverlässigen Testverfahren, welche die individuelle Anfälligkeit für die Streuung von Tumorzellen aufzeigen, sowie die Entwicklung von individualisierten Therapien sind daher unumgänglich. Zirkulierende Tumorzellen (CTCs) sind Krebszellen, die sich vom Tumor gelöst haben und systemisch über das Blut- oder Lymphsystem verteilt werden. Neben ihrer Anwendung als prognostischer Marker verspricht die detaillierte Analyse und Charakterisierung der Zellen in Zukunft die individuelle Anpassung der Pharmakotherapie an den Phänotyp von patienteneigenen CTCs. Für die Therapie des malignen Melanoms scheint dies von besonderem Interesse zu sein, da gezeigt werden konnte, dass beispielsweise der BRAF-Status der metastatischen Läsion nicht immer dem Mutationsstatus des Primärtumors entspricht. CTCs im Rahmen einer „liquid biopsy“ könnten somit durch die frühzeitige Detektion von BRAF-negativen Zellen sowie alternativer Resistenzmechanismen einen entscheidenden Beitrag zur rationalen Therapieentscheidung beim malignen Melanom leisten. Ziel des vorliegenden Forschungsantrages ist es daher, anhand von CTCs die Entwicklung der klonalen Heterogenität von Melanomzellen im Verlauf der BRAF-Kinaseinhibitor Resistenzentwicklung zu charakterisieren. Die Etablierung von CTC-Zelllinien soll die detaillierte In-vitro-Charakterisierung der Zellen ermöglichen. Zudem werden völlig neuartige Erkenntnisse bezüglich der Entwicklung von BRAF-Kinaseinhibitor-Resistenzen aus der RNA-Sequenzierung von CTCs im klinischen Verlauf erwartet. Es wird erwartet, dass die in diesem Forschungsprojekt erlangten Daten einen entscheidenden Beitrag zur Etablierung von CTCs bei der individualisierten Therapie des malignen Melanoms leisten.

                                     Prof. Dr. Klaus Pantel                                                                                 Dr. Katharina Röck 

                                                                               Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg


Für 2015 erfolgte die Förderung folgender zwei Forschungsvorhaben:

1. Untersuchung der klinischen Bedeutung von Immunantworten, die sich gegen Melanommutationen richten und deren Abhängigkeit vom HLA-Typ

Fördersumme: 32.000 Euro

In den letzten Jahren kam es im Bereich der Immuntherapie des fortgeschritten malignen Melanoms zu großen Durchbrüchen. Durch Blockade von PD-1 oder CTLA-4 auf T-Zellen mit Hilfe von Antikörpern kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems und zu einem verlängerten Überleben behandelter Patienten. Das vorliegende Projekt befasst sich mit der Frage, welche Rolle dabei spezifische Immunantworten spielen, die gegen mutierte Melanomantigene gerichtet sind. Viele Erkenntnisse der letzten Jahre sprechen dafür, dass diesen im Vergleich zu Reaktionen gegen nicht-mutierte Melanomstrukturen eine große Bedeutung zukommt. Dies kann dazu führen, dass Tumorzellen nach dem Auftreten bestimmter Mutationen direkt abgestoßen werden, bei erkrankten Patienten also selten beobachtet werden. Dieser Vorgang wird als Immunediting bezeichnet. Allerdings muss man annehmen, dass nur Individuen mit speziellen HLA-Merkmalen eine effektive Immunreaktion gegen eine bestimmte Mutation aufbauen können. Im Endeffekt müssten bestimmte Mutationen ja nach HLA-Typ seltener zu beobachten sein. Ziel dieses Projekts ist, zu untersuchen, ob dieser Effekt bei Melanompatienten nachweisbar ist, und die zugrunde liegenden T-Zell-Immunantworten genauer zu charakterisieren. Das maligne Melanom eignet sich im Besonderen für diese Untersuchungen, da BRAF- oder NRAS-Q61R/K-Mutationen häufig sind und diese essentielle Treibermutationen darstellen.

                                       Dr. Benjamin Weide 

                            Universitätsklinikum Tübingen


2. Präklinische Evaluation von Simvastatin als Adjuvans in der zielgerichteten Therapie von männlichen und weiblichen Melanompatienten

Fördersumme: 44.610 Euro

Die Einführung von zielgerichteten Therapeutika in die Melanomtherapie (schwarzer Hautkrebs) hat die Behandlungsmöglichkeiten dieser oft tödlichen Erkrankung verbessert. Diese Medikamente wie z.B. die selektiven BRAF-Inhibitoren Vemurafenib und Dabrafenib wirken jedoch meist nur zeitlich begrenzt, die Erkrankung schreitet schlussendlich wieder voran. Zudem können selektive BRAF-Inhibitoren nur bei Patienten eingesetzt werden, deren Tumor eine aktivierende Mutation im Gen für BRAF trägt, was ca. 50% der Melanome betrifft. Es ist daher erforderlich, die Resistenzentwicklung gegen zielgerichtete Therapeutika zu verstehen und zusätzliche Medikamente zu etablieren, die die Resistenzentwicklung aufheben oder verhindern. Die Entwicklung neuer Medikamente ist jedoch sehr teuer und der Prozess von der Entwicklung eines Medikamentes bis zur Zulassung dauert viele Jahre. Alternativ könnten Medikamente eingesetzt werden, die bereits für andere Erkrankungen zugelassen sind und bei denen eine Antitumorwirkung vermutet wird. Tierexperimentelle Ergebnisse lassen eine solche Wirkung z. B. für Cholesterin-Senker wie Simvastatin vermuten. In einer epidemiologischen Studie konnte außerdem gezeigt werden, dass die Einnahme von Cholesterin-Senkern die Überlebenschancen von männlichen, nicht aber weiblichen Melanompatienten wahrscheinlich verbessert. Die diesem geschlechtsspezifischen Effekt zu Grunde liegenden Mechanismen sind unbekannt und sollen im geförderten Projekt untersucht werden. Die Entschlüsselung der Mechanismen würde dann erlauben, Cholesterin-Senker in der Melanomtherapie gezielt einzusetzen. Eine weitere Möglichkeit wäre, diese Medikamente in Kombination zusätzlich, also adjuvant, zu bereits vorhandenen Therapeutika wie den selektiven BRAF-Inhibitoren einzusetzen. Um diese Möglichkeit zu erproben, sollen im vorgeschlagenen Projekt Zellkulturexperimente durchgeführt werden. Diese Studien sollen Erkenntnisse zur Verbesserung der Therapiemöglichkeiten des schwarzen Hautkrebses, des malignen Melanoms, erbringen, um den betroffenen Patienten besser und länger helfen zu können.    

                                  Dr. med. Eva Livingstone                                                                    Dr. med. Bastian Schilling

                                                                                              Universitätsklinikum Essen


Für 2014 erfolgte die Förderung folgender zwei Forschungsvorhaben:

1. Evaluation von intrinsischen und metabolischen Resistenzmarkern im malignen Melanom hinsichtlich ihrer prädiktiven Aussagekraft für das Therapieansprechen

Fördersumme: 40.000 Euro

Trotz jüngster Erfolge in der zielgerichteten Therapie des malignen Melanoms ist eine Heilung von Patienten im Stadium der Organmetastasierung noch in weiter Ferne. Ein Grund hierfür ist die notorische Plastizität, Tumorheterogenität und Therapieresistenz dieser Krebsart. Es wird zunehmend klar, dass einzelne Melanomzellen Strategien entwickeln können, Chemotherapien aber auch zielgerichtete Medikamente zu umgehen. Dies geschieht in aller Regel durch krebstypische Mechanismen, wie z.B. Blockierung des programmierten Zelltods oder Aktivierung bekannter zellulärer Wachstumssignale. Im Gegensatz zu diesen erworbenen Resistenzformen konnten wir und andere Arbeitsgruppen jüngst zeigen, dass manche Melanomzellen zusätzlich eine intrinsische (innewohnende) Therapieresistenz besitzen, die sie bereits gegen den Erstkontakt mit Medikamenten schützt. Diese Resistenzform ist jedoch rein phänotypischer Natur, d.h. sie ist unabhängig von Genmutationen und basiert wider Erwarten nicht auf krebstypischen Signalwegen, sondern auf einer gesteigerten Nutzung der mitochondrialen Energieversorgung der Zelle, verlinkt mit einer Absenkung der Zellzyklustaktung (sogenannte langsam proliferierende Zellen). Im Rahmen der Anschubfinanzierung durch die Hiege-Stiftung planen wir die Evaluation dieser neu identifizierten intrinsischen und metabolischen Resistenzmarker im malignen Melanom hinsichtlich ihrer prädiktiven Aussagekraft für das Therapieansprechen. Die Durchführung der Experimente gründet auf der Analyse primärer Melanomzelllinien und Tumorgewebe von Patienten aus der ADO-Studie "ChemosensMM", ebenfalls gefördert durch die Hiege-Stiftung, für welche umfangreiche klinische Daten inklusive Therapieansprechen und Follow-up vorliegen. Dieses Vorhaben soll Grundstein sein für zukünftige, größere translationale Projekte zur Etablierung neuer Applikationsschemata zielgerichteter Strategien (z. B. "on-off"-Intervalltherapie) zur Verzögerung der Therapieresistenz bzw. neuer Kombinationstherapien, die auch Zellsubpopulationen mit hohem Potenzial zur Tumorrepopulation einschließen.

                                    Dr. Alexander Roesch

                    Universitätsklinikum des Saarlandes


2. Die Rolle Vemurafenib-induzierter sekretorischer Faktoren bei der Stimulation des Tumormilieus und der Tumorprogression im Melanom

Fördersumme: 40.000 Euro

Die Anwendung von BRAF-Inhibitoren bei Patienten mit metastasiertem Melanom stellt zur Zeit eines der erfolgreichsten Therapieregime dar. Inhibitoren wie zum Beispiel Vemurafenib zeigen eine hohe Wirksamkeit bei Patienten mit aktivierenden Mutationen im BRAF-Gen, die bei circa 50% aller Melanomerkrankungen auftreten. Leider kommt es unter dieser zielgerichteten Therapie in nahezu allen behandelten Patienten zu einer Resistenzentwicklung der Tumorzellen gegen das Medikament und im Folgenden zum Fortschreiten der Erkrankung. Es ist bekannt, dass Tumorzellen und "normale" Zellen der Tumorumgebung, wie zum Beispiel Fibroblasten, Keratinozyten oder Endothelzellen, miteinander durch Botenstoffe kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen. Unter Therapie mit Vemurafenib setzen Melanomzellen ganz spezielle Botenstoffe vermehrt frei, die die Zellen der Tumorumgebung dazu veranlassen, aktiv eine Resistenzentwicklung und somit Tumorprogression zu unterstützen. Wie genau die Melanomzellen es schaffen, die Nachbarzellen für ihre Zwecke zu missbrauchen, ist bisher nur unzureichend verstanden. Ziel unseres Projektes ist es daher einerseits, die Botenstoffe, die von Melanomzellen unter Vemurafenib-Behandlung freigesetzt werden, genau zu charakterisieren. Andererseits werden wir untersuchen, welchen Effekt diese Botenstoffe auf die Zellen der Tumorumgebung haben. Durch ein besseres Verständnis der Vemurafenib-induzierten Kommunikation von Melanomzelle und Tumormilieu hoffen wir herauszufinden, ob und auf welche Weise eine Vemurafenib-Behandlung das Tumormilieu stimulieren und damit zu einer Resistenzentstehung beitragen kann.

                                Dr. Svenja Meierjohann                                                                                Dr. Sebastian Haferkamp

                                                                                          Universitätsklinikum Würzburg


Für 2013 erfolgte die Förderung folgender zwei Forschungsvorhaben:

1. Analyse der Proteasom-Inhibition in Chemotherapeutika-resistenten und Metastatischen Melanomzellen

Antragsteller:
Prof. Dr. Ulrike Seifert
Universitätsklinikum
Magdeburg

Fördersumme: 30.000 Euro


2. Charakterisierung der Aktivität von B-RAF-Inhibitoren auf das Immunzellrepertoire, die Signalwege und Funktionalität von Immuneffektorzellen

Antragsteller:
Prof. Dr. Barbara Seliger
Universitätsklinikum
Halle (Saale)

Fördersumme: 40.000 Euro


Für 2012 erfolgte die Förderung folgender zwei Forschungsvorhaben:

1. Untersuchung der funktionellen Relevanz existierender Isoformen des Tumorsuppressors CEACAM-1 und deren klinischer Signifikanz beim malignen Melanom

Antragsteller:
Dr. Iris Helfrich
Universitätsklinikum
Essen

Fördersumme: 18.500 Euro


2. Identifizierung neuer, funktionell relevanter Schlüsselmoleküle und Signalwege auf und in Zellen des malignen Melanoms zur Entwicklung neuer immunologischer Therapieansätze

Antragsteller:
Dr. Andrea Tüttenberg
Universitätsklinikum
Mainz

Fördersumme: 19.500 Euro


Für 2011 erfolgte die Förderung folgender zwei Forschungsvorhaben:

1. Charakterisierung der microRNA Schlüsselenzyme Dicer und Drosha in lasermikrodissezierten Melanomzellen und nicht-läsionären Melanozyten

Antragsteller:
Dr. Michael Sand
Universitätsklinikum Bochum

Fördersumme: 13.000 Euro


2. Messung von löslichen NKG2D Liganden (NKG2DL), anti-NKG2DL Antikörpern und dem NKG2D Rezeptor

Antragsteller:
Dr. Anette Paschen
Universitätsklinikum Essen

Fördersumme: 15.000 Euro


Für 2010 erfolgte die Förderung des Forschungsvorhabens:

BRAF und NRAS Mutationsanalyse von im Blut zirkulierenden Melanomzellen

Antragsteller:
Dr. Alberto Fusi - Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin

Fördersumme: 20.000 Euro


Für 2009 erfolgte die Förderung folgender 2 Forschungsvorhaben:

1. Charakterisierung der transkriptionellen Aktivität des neuronalen Transkriptionsfaktors Brn3a beim malignen Melanom

Antragsteller:
Herr Dr. Robert Besch
Herr Dipl. Biol. Tobias Hohenauer
Universitätsklinikum München

Fördersumme: 20.000 Euro


2. Evaluierung der diagnostischen und therapeutischen Option von microRNAs (miRNAs) beim malignen Melanom

Antragsteller:
Prof. Dr. rer. nat. Hans-Martin Jäck
Dr. rer. nat. Jürgen Wittmann,
Prof. Dr. med. Schuler
Universitätsklinikum
Erlangen

Fördersumme: 15.000 Euro


Für 2008 erfolgte die Förderung folgender 5 Forschungsvorhaben:

1. Charakterisierung von POU-Domäne- und SOX-Transkriptionsfaktoren bei der Regulierung von Nestin in malignen Melanomen

Antragsteller:
Dr. med. Carola Berking
Universitätsklinikum München

Fördersumme: 30.000 Euro


2. Blut- und Gewebebank für Hauttumore

Antragsteller:
Dr. med. Friederike Egberts
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
Campus Kiel

Fördersumme: 30.000 Euro


3. Charakterisierung epigenetischer Regulations-mechanismen bei der Entstehung von Hautkrebs

Antragsteller:
Dr. Rüdiger Greinert,
Dr. Beate Volkmer
Dermatologisches Zentrum
Buxtehude

Fördersumme: 20.000 Euro


4. Evaluierung der Expression der Tumorantigene Tyrosinase, MART1, MAGE1, MAGE3 und WT1 in CD133 und CD20 positiven Melanomzellen 2. Definition der Expressionsmuster von CD133- und CD20- positiven Melanomzellen

Antragsteller:
Antonia Busse, MD und Dr. Alberto Fusi, MD, Charité, Campus Benjamin Franklin,

Berlin

Fördersumme: 15.000 Euro


5. Evaluation der Lebensqualität (quality of life, QoL) unter adjuvanter Behandlung mit Interferon α2a (18 versus 60 Monate Therapiedauer) in Relation zum erzielten rezidivfreien und Gesamtüberleben bei Patienten mit primären kutanen Melanomen mit einer Tumordicke ≥ 1,5 mm

Antragsteller:
Dr. med. Friederike Egberts
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
Campus Kiel

Fördersumme: 10.000 Euro